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Rolf Julius - Kehrerverlag Heidelberg

"Rolf Julius ist ein Künstler, der mit äußerster materieller Zurückhaltung arbeitet - und dessen Werk umso eindrucksvoller wirkt." Badische Neuste Nachrichten, 2007

Rolf Julius
Grau schweigt

"Mit meinen Bildern schaffe ich einen musikalischen Raum. Mit meiner Musik schaffe ich einen bildnerischen Raum. Bilder und Musik sind gleichwertig. Sie treffen sich im Kopf des Betrachters und Zuhörers und ergeben in ihm etwas Neues."
Als Grenzgänger zwischen bildender Kunst und Musik hat Rolf Julius seit den 70er Jahren ein eigenständiges Konzept entwickelt, das - wenn auch unzureichend - sich der in Deutschland jungen Gattung der Klangkunst zuordnen lässt. John Cage war es, der im Westen unbekannte Hör-Erfahrungen aus dem Zusammenspiel von Klang, Bild, Skulptur, Raum und Natur eröffnete. In dieser neuen Kunstform spielen die Begriffe Stille und Leere eine zentrale Rolle; gemeint ist nicht die bloße Abwesenheit von Klängen und Bildern: Das ästhetische Zusammenfügen von akustischen und optischen Alltagsphänomenen imaginiert in den Werken von Julius einen bisher nicht genutzten Frei-Raum der sinnlichen und geistigen Wahrnehmung.
Julius wird 1939 in Wilhelmshaven geboren; er studiert in den 60er Jahren Kunst in Bremen und Berlin. Entsprechend dem konzeptuellen Denken in der Kunst dieser Zeit entdeckt Julius für sein künstlerisches Schaffen Klang-Atmosphären von visuellen Strukturen, allerdings nicht im synästhetischen Verständnis. In den 80er Jahren beginnt er neben, beziehungsweise zu Fotoarbeiten, Zeichnungen und Performances Klänge und Geräusche zu komplexen Tonbandkompositionen zusammenzufügen. Sich inhaltlich und formal permanent reduzierend, verleiht er mit einfachsten technischen Mitteln und einem minimalistischen Klang- beziehungsweise Geräuschrepertoire aus elektorakustischen Elementen, oft mit akustischen objets trouvés, Räumen und Objekten eine so noch nicht gesehene und gehörte Qualität. Zahlreiche Aufenthalte führen ihn nach Japan und Korea; hier trifft diese aus Amerika kommende neue Kunstform - und Weltsicht - auf geistesverwandte Traditionen und entwickelt sich entscheidend weiter. Seine mit minimaler Geste und optimaler Ausdruckskraft behafteten Zeichnungen und Skizzen aus Tusche spiegeln diese Reisen wider, sie erinnen an japanische Schriftzeichen und enthalten deren Komplexität und Bedeutungsumfang sowie deren Offenheit. Julius zeigt in dieser Ausstellung Serien von Drucken, die als Partitur für Piano und andere Instrumente dienen, jedoch auch beim Betrachter innere Klänge erzeugen. Seine ausgestellten Videoinstallationen lassen sich als Still-Leben der Natur sehen. Mittlerweile findet Julius Werk über Japan und Korea hinaus internationale Beachtung, Einladungen füren ihn in die USA, nach Frankreich, Italien oder Spanien. Die Tatsache, dass er sowohl an wichtigen musikalischen Veranstaltungen wie die Donaueschinger Musiktage oder die Wittener Tage für Neue Kammermusik teilnimmt als auch mit Arbeiten in der neuen Nationalgalerie Berlin vertreten ist, belegt, dass ihm der Grenzgang gelingt. Jüngste Auszeichnungen, wie der Deutsche Klangkunstpreis (2004) und der Hannah-Höch-Preis (2005) belegen eine Bedeutung innerhalb dieser in Deutschland noch wenig verbreiteten Kunst.


Herausgeber: Hans Günter Golinski
Autoren: Eugen Blume, Hans Günter Golinski, Maija Julius, Uwe Rüth
Künstler: Rolf Julius


Festeinband
11 x 22 cm
128 Seiten
70 Farbabbildungen
Deutsch
Lieferbar
ISBN 978-3-939583-12-7
17,80 Euro
2006